Home » Werden Rich Internet Applications scheitern?

Werden Rich Internet Applications scheitern?

Geschrieben in Rich Internt App. von Michael am 28 September 2007

Simon Morris ist gestern im Weblog bei java.net auf diese Frage ausführlich eingegangen. Er betont zwar, dass er ganz sicher kein Gegner von RIAs ist, aber er hat aus diversen Gesprächen drei wesentliche Argumente herausgearbeitet, die diese Frage aufkommen lassen.

Verfügbarkeit von Netzanbindung

Selbst wenn Webanwendungen in Form von RIAs so komfortabel wie Desktop-Anwendungen werden, so stehen sie doch nur zur Verfügung, wenn man eine genügend breitbandige Anbindung an das Internet hat. Ohne Internet keine Software, keine Daten, also Stillstand bei der Arbeit. Und eine verfügbare Internet-Anbindung kann auch in Zukunft noch lange nicht als garantiert angesehen werden. Bei der Zuverlässigkeit ist die Internet-Anbindung eben immer noch sehr weit von der Zuverlässigkeit z.B. der Stromversorgung entfernt.

Natürlich gibt das Internet auch wieder Hilfen, die diese Problematik abzufedern kann. So kann z.B. ein Kollege an einem anderen Standort reibungslos die Webanwendung weiter nutzen und die Bearbeitung der Aufgaben sicherstellen, was mit einer Desktop-Anwendung nicht möglich wäre.

Das Internet ist nicht so sicher, wie das eigene Gebäude

Bei Webanwendungen liegen die zu bearbeiteneden Daten auf Webserver weit ab vom Nutzer und werden zur Bearbeitung über das Internet hin und her transportiert. Auch wenn immer mehr Menschen keinerlei Hemmungen haben persönlichste Informationen in Text-, Bild- oder Videoform öffentlich im Internet zu speichern, so wird es trotzdem immer unternehmenskritische Daten geben, die auf keinen Fall in die falschen Hände kommen dürfen. Damit das nicht geschied, müssen die Verbindungen zwischen Anwendung und Server und die Server selbst optimal geschützt/verschlüsselt werden. Leider wird das von den meisten Entwicklern nicht so ernst genommen, oder erst nachträglich übergestülpt, sodass das Risiko für Sicherheitslücken auch in Zukunft nicht so schnell verschwinden wird und auch ziemlich stark von den Fähigkeiten der Entwickler abhängt.

Die Lösung ist auch hier erkennbar: Es müssen standardisierte, überall verfügbare, ausgereifte Sicherheitslayer existieren, auf die Softwareentwickler problemlos zugreifen können. Dann bestünde die Chance, die Sicherheit der im Internet bewegeten und abgelegten Daten auf konstant hohem Niveau, unabhängig von den Fähigkeiten der Entwicklern, zu gewährleisten.

Datenbanken sind keine Dateien

Der Desktop-Nutzer hat gelernt mit Dateien umzugehen, er weiß genau was EXE, MP3 oder JPG bedeutet. Diese Dateien lassen sich kopieren, anhängen, speichern, ansehen und bearbeiten. Das gilt so im Internet nicht mehr. Webanwendungen speicher fast immer die Daten in entfernten Datenbanken. Man kann seine Mailbox bei WEB.DE nicht nehmen, und auf den Memorystick kopieren. Man kann sein Flikr-Bild nicht an eine Email anhängen, oder zumindest nur über den Umweg eines Downloads und wieder Uploads. Es fehlt den Webanwendungen die Verbindung auf der Nutzerseite. Das macht heute viele Arbeitsschritte sehr schwierig bis unmöglich.

Die Lösung hier heißt wohl eher nur: Alle Nutzer müssen warten, bis ein Großer wie Microsoft das allumfassende Internet-Betriebssystem geschaffen hat. Denn das Desktop-Betriebssystem (meist ein Windows) hat ja auf dem lokalen PC genau die Grundlagen geschaffen, die das Hin und Her von Dateien zwischen den verschiedensten Desktop-Anwendungen erst möglich gemacht hat.

Simon Morris meint deshalb in seine Zusammenfassung: Die Argumente gegen Webanwendungen sind da, sie sind aber lösbar, und sie werden in vielen Webanwendungen schon in vielfacher Form mehr oder wendiger gut gelöst. Es müssen aber erst alle diese Erkenntnisse in einem globalen Internet-Betriebssystem zusammengeführt werden, bevor Webanwendungen den wirklichen Durchbruch erleben können.

Hier finden Sie den Artikel von Simon Morris auf java.net (in englisch)

Kommentieren

XHTML: Du kannst folgende Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>